El Bocho

el bocho

El Bocho | Street Art-Künstler aus Berlin | siehe auch: https://www.facebook.com/elbochoberlin oder http://www.elbocho.net/.

#Momentaufnahme: Frei-Raum | Dokumentation | Fotos
„Also dieses Verständnis sich den öffentlichen Raum zu eigen zu machen, ohne jemanden zu fragen, und dabei genau das zu machen und nach Außen zu tragen, was man denkt – darum geht’s ja bei der ganzen Sache. Also wirklich diese absolute Freiheit der Kunst zu genießen, über alle Regeln hinweg.“

Denn schließlich, so El Bocho weiter, habe sich die Kunst im Laufe der Jahrhunderte eine gewisse Freiheit erkämpft. Und diese Freiheit gilt es letztlich nicht nur respektvoll (an) zu erkennen, sondern gleichsam auch aktiv weiter und mit zu gestalten. Die Anknüpfung an und gleichzeitige Weiter- und Re-Formulierung jener Tradition stellt für ihn somit eine der wesentlichen Parameter seines künstlerischen Schaffens dar. Die damit unweigerlich in Verbindung stehende Praktik des nächtlichen ‚Pastens‘, also unautorisierten Anbringens von Kunst im Stadtraum, schließt hieran an und verweist auf gänzlich universellere Konzepte: die Freiheit und Autonomie der Kunst im Allgemeinen. Statt von „Freiheit“ spricht El Bocho im Interview jedoch – oder vielmehr auch – von „Freiraum“. Und das Konzept des Freiraums darf hierbei durchaus wörtlich genommen werden: So geht es innerhalb seines Schaffens einerseits um künstlerische Unabhängigkeitsbestrebungen, die sich u.a. in unautorisierten Raumaneignungspraktiken manifestieren, andererseits jedoch auch um ästhetisch motivierte Umnutzungen städtischer Frei-Räume – also ungenutzter Räume und Spots, die eine künstlerische Aufwertung erfahren sollen.

Die Manifestation individueller, künstlerischer Freiheiten kann somit in gewissem Sinn zum Credo des Berliner Künstlers erklärt werden. Perspektiviert man seine Kunstpraxis aus Sicht einer orts- und situationsbezogenen Medienforschung, fällt der Blick hierbei auch auf die damit einhergehende fotografische Dokumentationspraktik: „Letztendlich geht es bei den nächtlichen Aktionen, die ich fotografiere bzw. dokumentiere, um das Einfangen der Aktion. Die Energie, die da innerhalb von kürzester Zeit zum Vorschein kommt, ist extrem wichtig.“ Und diese zeigt sich letztlich in ‚medialen Störungen‘ oder Unschärfeeffekten. Denn: „Manchmal muss es einfach superschnell gehen, der Kleister fliegt dir durch die Gegend, etc. Die Leute, die nachts nicht dabei sind, müssen das auch irgendwie mitkriegen; die müssen sehen, was da an Energie drin steckt. Das ist wichtig“, so der Künstler weiter.
Seine Fotos legen somit einerseits die performativen Qualitäten des Street Art-Klebens und -Fotografierens offen; andererseits geben sie Aufschluss über die medialen Bedingungen fotografischer Bildproduktionsverfahren bei Nacht.

Doch nicht nur das. Eine ausgiebige fotografische Dokumentation offeriert dem Künstler zudem die Möglichkeit das eigene Schaffen sowie die eigene Entwicklung zu reflektieren.
Der Berliner selbst bewegt sich hierbei innerhalb eines klar definierten Rasters, welches hohen Wiedererkennungswert mit situativer Modellierbarkeit vereint. Man denke hierbei beispielsweise an die beiden Kameras Kalle & Bernd, die in ihrer leicht gesellschafts-pessimistischen Grundstimmung (aktuelle) soziopolitische Begebenheiten aufgreifen und auf die Straße (zurück)spiegeln: –Hey Kalle, da reißt einer Plakate ab. –Ich ruf die Bullen, Bernd. Oder Tina Berlina, der neuste Character El Bochos, der explizit Berliner TouristInnen und Städtereisende anspricht und dabei u.a. auch die sich unlängst zu etablieren scheinenden Berliner Street Art-Touren „so ein bisschen auf´s Korn nimmt“. So rät diese, mit bewusst süffisantem Unterton und leichtem Augenzwinkern: Hey Tourist, don´t believe the tourguide, hehe.

Sofern nicht anders angegeben, sind alle Fotos selbst gemacht und unterliegen dem Copyright von ©kg. Sie dienen alleinig der wissenschaftlichen Dokumentation meines PhD-Projekts. Jegliche Art der Reproduktion oder kommerziellen Nutzung, sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronische Systeme, ist untersagt. Außerdem weise ich darauf hin, dass ich keinerlei Bildrechte am Motiv o. Ä., sondern lediglich am fotografischen Abbild beanspruche.

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